Weihnachten und Liebe
Liebe und Weihnachten

Vor ein paar Jahren, kurz vor Weihnachten — ich erinnere mich noch genau — etwa eine Woche vorher.
Unsere Mütter hatten am selben Tag Geburtstag… Samstag!
Der Weihnachtsbaum stand, das Haus war geschmückt und wir hatten schon Pläne gemacht, wie wir die Feiertage zusammen verbringen würden.
Mein Partner und unsere Kinder, im Urlaub in Deutschland, gemütlich mit der Familie Weihnachten feiern.
Zumindest war das der Plan…

Es war ein Sonntag. Mein Partner war nicht nach Hause gekommen, und ja, dann fängt es in deinem Kopf an zu rattern. Am Nachmittag kurz einkaufen, und als ich zurückkam, saß mein Partner (zum Glück) auf dem Sofa. Man bekommt sofort dieses Gefühl, bei dem alles in einem hochkommt und die Fantasie mit einem durchgeht. Voller Angst vor dem, was ich gleich zu hören bekommen würde.

„Kaffee?" fragte ich mit einem Kloß im Hals.
„Ja, gerne" kam die Antwort.
Die Spannung in diesem Moment war kaum auszuhalten, und er sah aus, als wäre ihm am liebsten die Erde verschlungen hätte.
„Wo warst du?" fragte ich.
„Na, wo wohl?" kam es aus seinem Mund.
Es folgte eine Totenstille. Ich biss mir auf die Lippe, um nicht sofort in Tränen auszubrechen…
„Ähm, ich hab da so eine Ahnung."
Mein Partner schwieg beharrlich, also musste ich das Wort ergreifen.
„Hast du bei deiner Freundin übernachtet?"
Er sah mich an, und noch bevor er antwortete, spürte ich es bereits kommen.
„Ja" war alles, was er sagte.
„Hattet ihr Sex?"
Eine dumme Frage von meiner Seite, aber ich wollte es trotzdem wissen.
Wieder kam das Wort „Ja" aus seinem Mund.
Ich kann dir sagen: In diesem Moment stand meine Welt still. Nicht wissend, wie ich mich fühlen soll, und schon gar nicht, wie ich reagieren soll.
„ARSCHLOCH" kam aus meinem Mund.
Vertrauen — weg. Alles — weg!
Die Tränen liefen mir über die Wangen, und um das Ganze noch schlimmer zu machen, fing er an, mich auszulachen.
Ich war so rasend vor Wut, dass etwas in mir zerbrach.
„RAUS" schrie ich.
Ich habe noch schnell seine Sachen gepackt, und weg war er…
Und das ausgerechnet kurz vor Weihnachten — war der erste Gedanke, der mir kam…
Die Kinder, meine Familie, Weihnachten — wie geht es jetzt weiter?
Das komplette Weihnachtsgefühl war weg…
Keine Liebe für mich, als wäre ich in eine Art melancholischen Nebel gefallen.
Natürlich weiß ich es heute viel besser, aber damals — in diesem Moment — wusste ich mir einfach keinen Rat.
Der Stress jagte durch meinen Körper; es fühlte sich an wie eine Katastrophe.
Das galt auch für unsere beiden Kinder (zum Glück waren sie damals schon erwachsen).
Trotzdem dachte ich bei mir: Warum ausgerechnet jetzt?

Obwohl ich auch weiß, dass es für so etwas nie einen guten Zeitpunkt gibt. Weihnachten, Ostern, Pfingsten — es ist und bleibt immer ein Schock.

Nach ein paar Tagen Stille gab es tatsächlich wieder etwas „Verkehr" über WhatsApp.
„Ich wollte dir etwas Ruhe lassen. Es klingt vielleicht hart, aber im Moment ist es wahrscheinlich besser so" stand in seiner Nachricht.
Was konnte ich mit dieser Nachricht anfangen? Überhaupt nichts.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, noch immer am Boden zerstört von all dem.
Nicht viel später rief er mich an.
„Ich komme doch mit nach Deutschland."
„Wie bitte?" war meine erste Reaktion.
„Wie stellst du dir das vor?" war meine nächste Frage.
„Na ja, wir tun einfach so, als wäre nichts passiert. Ganz normal halt" sagte er mir.
Mit anderen Worten: Wir würden ein Theaterstück aufführen.
Zum Glück gab es immer unglaublich viel Liebe und Verständnis von den Kindern und der Familie (ich hatte ihnen schließlich schon einiges erzählt).

Die Tage, die wir dort verbrachten, waren natürlich unangenehm.
Ich schlief mit unserer jüngsten Tochter in einem Zimmer, die Älteste mit ihrem Cousin, und mein „Partner" allein.
Es kamen Fragen von meinem Neffen und meiner Nichte:
„Warum schlaft ihr getrennt?"
„Ich schnarche, und das kann er nicht ab" war meine Antwort.
Zum Glück glaubten sie meine Lüge, und genau so hat es sich auch angefühlt… eine einzige große Lüge!
Man will kleinen Kindern — gerade an Weihnachten — den Schmerz ersparen. Die „Liebesblase" nicht platzen lassen.
Die Geschichte war natürlich noch nicht vorbei, denn die Nächte im Ferienhaus wurden mir zu viel. Die Schlaflosigkeit, die Unruhe, all das.
Jeden Tag telefonierte er mehrmals mit seiner Freundin. Er hielt sie auf dem Laufenden, wie er die Tage mit uns verbrachte. Ständig hörte ich dieses Telefon klingeln.

Weihnachten war für mich nicht so, wie es hätte sein sollen. Kein Weihnachtsgefühl, nur Traurigkeit, die alles überschattete.
Nun soll so eine Geschichte ja immer ein Happy End haben, denn so läuft es doch meistens… oder?

Zum Glück kann ich heute — zwei Jahre später — sagen, dass ich das Leben mit ganz anderen Augen sehe.
Im Wissen, dass es so kommen musste, im Wissen, dass ich über nichts davon Kontrolle hatte. All das, um eine andere Perspektive auf das große Ganze zu bekommen.
Wenn ich auf alles zurückblicke, wusste ich eigentlich schon, dass es vorbei war. Dass die Liebe nicht mehr so tief ging wie einst.
Die Entscheidung, mich scheiden zu lassen, traf ich ein paar Monate später.
Mein „Partner" hingegen wäre am liebsten zusammengeblieben.

Es war zu weit gegangen, und manchmal verliert man dabei seine eigenen Grenzen aus den Augen, ohne noch zu wissen, wo sie eigentlich liegen.
Ich habe mich selbst verloren, indem ich immer wieder einen Schritt weiter ging, mich fragend, wo meine Grenze eigentlich ist.
Nun, die kenne ich jetzt.
Glasklar.
Verbittert? Ganz bestimmt nicht!
Glücklich? Ja!
Das Bewusstsein, dass auch in meinem Leben wieder Liebe Platz haben kann.

Verliebt?

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